PD Dr. Tanja Skambraks

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Akademische Rätin auf Zeit am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Mannheim

tanja.skambraks@wirtschaftsgeschichte.org

Projekt

Abgeschlossenes Habilitationsprojekt

„Karitativer Kredit. Die Monti di Pietà, franziskanische Wirtschafts­ethik und städtische Sozialpolitik in Italien (15. und 16. Jahrhundert)“

Die Habilitations­schrift von Tanja Skambraks mit dem Titel „Karitativer Kredit. Die Monti di Pietà, franziskanische Wirtschafts­ethik und städtische Sozialpolitik in Italien (15. und 16. Jahrhundert)“ wurde im Oktober 2020 eingereicht.

Die Arbeit behandelt die Entstehung und Genese der Monti di Pietà („Berge der Barmherzigkeit“) von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis ins späte 16. Jahrhundert in Italien. Diese Pfandleihhäuser vergaben Kleinkredite gegen Pfand und einen geringen Zinssatz an die arbeitenden Armen (Handwerker, Tagelöhner, Witwen, etc.). Neben diesen Notkrediten, wie sie auch heute noch in Krisenzeiten gefragt sind, fungierten die Monti auch als Bankinstitute, indem sie Girogeschäfte und Depositeneinlagen anboten. Dieses innovative sozialpolitische Projekt wurde insbesondere von Franziskanern als Wohl­tätigkeits­organisation ohne Gewinnstreben propagiert, von städtischen Oligarchen installiert und von städtischen Beamten geführt.
Die Arbeit leistet einen Beitrag zur Geschichte des vormodernen (Klein-)Kredits und Bankenwesens sowie der Armenfürsorge und zur Entstehung einer dezentral organisierten städtischen Wohlfahrt in der Vormoderne.

Abgeschlossenes Promotionsprojekt

„Kinderbischöfe im europäischen Mittelalter“

Die Promotionsschrift mit dem Titel „Das Kinderbischofsfest in der Vormoderne. Eine Studie zu Ausdrucksformen christlicher Religiosität und Frömmigkeit (11. Bis 16. Jahrhundert)“ widmet sich einem bisher von der mediävistischen Forschung weitestgehend vernachlässigten Thema. Dieses ist an der Schnittstelle von Ritual- und Festforschung, vormoderner Theatergeschichte und Liturgiegeschichte zu verorten und wurde bisher nur aufsatzförmig von Kulturhistorikern und antiquarischen Forschern des 19. Jahrhunderts behandelt.
Die Studie, die das Thema erstmals in monographischer Form untersucht, nimmt – entsprechend der Breite der historischen Überlieferung – eine geographische und zeitliche Makroperspektive ein. Auf einer Basis von Belegen für insgesamt ca. 150 europäische Institutionen (Kathedralen, Klöster, Schulen) war es ein Ziel der Arbeit bisherige Forschungsergebnisse, die das Kinderbischofsfest als Ausdruck einer mittelalterlichen karnevalesken „Lachkultur“ (Bachtin) bzw. als eine burleske Entgleisung von Klerikern beschrieben, zu revidieren.

Curriculum Vitae

Tanja Skambraks (geb. 1980 in Leipzig) studierte von 1999 bis 2006 Mittelalterliche Geschichte, Anglistik und Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Dresden und der University of Edinburgh (Schottland). Nach Abschluss des Studiums mit einer Magisterarbeit im Bereich der mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte (Thema  „Englische Adelige als Produzenten und Konsumenten. Gutsherrliche Verwaltung und Haushaltsführung im 13. Jahrhundert – eine Studie zu normativen Vorstellungen und praktischem Verwaltungsschrifttum“) arbeitete sie von 2006 bis 2008 und im FSS 2010 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für MIttelalterliche Geschichte der Universität Mannheim. Das 2007 begonnene und u.a. von der Gerda-Henkel-Stiftung geförderte Promotionsprojekt widmete sich einem Phänomen der mittelalterlichen klerikalen Festkultur, dem  Kinderbischofsfest. Nach Forschungsaufenthalten in Oxford (2007) und London (2010) wurde die Arbeit mit dem Titel „Das Kinderbischofsfest in der Vormoderne. Eine Studie zu Ausdrucksformen christlicher Religiosität und Frömmigkeit (11. bis 16. Jahrhundert)“ im August 2011 eingereicht. Im März 2012 erfolgte die Promotion. Von August 2011bis Januar 2015 war Tanja Skambraks wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Universität Mannheim, seit Februar 2015 arbeitet sie dort als akademische Rätin auf Zeit.