Dr. Julia Bruch

Julia Bruch ist seit 2020 Postdoc im DFG-Graduiertenkolleg 2212 „Dynamiken der Konventionalität (400–1550)“ an der Universität zu Köln.

julia.bruch@wirtschaftsgeschichte.org

Abgeschlossenes Habilitationsprojekt

Sammeln und auswählen, ordnen und deuten. Geschichte(n) schreibende Handwerker und ihre Chronikmanuskripte im 15. und 16. Jahrhundert

In meiner im März 2021 bei der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln eingereichten Habilitationsschrift untersuche ich städtische Chroniken aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die von Handwerkern geschrieben wurden. Die Chronikmanuskripte werden als Artefakte städtischer Kultur und als Textträger verstanden und sowohl auf ihre Materialität als auch auf ihren Inhalt hin untersucht. So verschränke ich eine literaturhistorische Untersuchung der Texte mit einer kodikologischen Untersuchungen der Manuskripte. Zudem erforsche ich historisch vergleichend die Chronisten.

Am Beispiel von Geschichte(n) schreibenden Handwerkern wird gezeigt, wie Geschichtsschreibung in der Stadt an der Schwelle zur Frühen Neuzeit funktionierte. Ich untersuche, welche Informationen in den Manuskripten wie gesammelt, ausgewählt, geordnet und gedeutet wurden. Darüber hinaus kläre ich, welche Kompetenzen und Fähigkeiten ein Schreiber im 15. und 16. Jahrhundert mitbringen musste, um Produzent einer Chronik werden und so an den kulturellen Praktiken seiner Zeit teilnehmen zu können. Außerdem untersuche ich, welche Eigenschaften eine Chronik besitzen musste und leiste damit einen wichtigen Beitrag zu Fragen der Gattungskonventionen. Nicht zuletzt wird die Analyse zeigen, dass die Manuskripte für aktuelle Forschungsfragen stets mituntersucht werden müssen.

Eine Forschungsskizze kann bei Interesse angefragt werden: bruchj@uni-koeln.de.

Abgeschlossenes Dissertationsprojekt

„Die Zisterze Kaisheim und ihre Tochterklöster. Studien zur Organisation und zum Wirtschaften spätmittelalterlicher Frauenklöster mit einer Edition des „Kaisheimer Rechnungsbuches“

Ausgangspunkt meiner Studie ist eine Handschrift aus dem 13. und 14. Jahrhundert, entstanden im süddeutschen Zisterzienserkloster Kaisheim (Region Donau-Ries) im Bistum Augsburg. Als Mutterkloster führte Kaisheim Kontrollbesuche in seinen Filiationen durch. Die Ergebnisse dieser Visitationen wurden über ein knappes Jahrhundert hinweg verschriftlicht und sind als Visitationsprotokolle in Form eines Rechnungsbuchs überliefert. Anhand dieser Quelle und den zusätzlich überlieferten Urkunden konnten die materiellen und wirtschaftlichen Grundlagen der visitierten Frauenklöster (Kirchheim im Ries, Niederschönenfeld, Oberschönenfeld, Pielenhofen, Seligenthal, Zimmern im Ries) herausgearbeitet werden. Neben wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Fragen wurden institutions- und alltagsgeschichtliche sowie genderspezifische Probleme behandelt. Durch eine Edition wird das Kaisheimer Rechnungsbuch für anknüpfende Studien zur Verfügung gestellt. Die vorgelegte Detailstudie schärft das Bild von Zisterzienserinnenklöstern, liefert Vergleichsmaterial für weitere Studien zu weiblichen Zisterzen und lädt so zu komparatistischen Arbeiten ein. Eine Zusammenschau der bisher betrachteten Nonnenklöster des Zisterzienserordens ist ein Desiderat der Forschung, das auf Basis nicht zuletzt der vorliegenden Arbeit hoffentlich bald ausgeräumt wird.

Meine Dissertation ist 2013 in der Reihe Vita regularis – Ordnungen und Deutungen religiosen Lebens im Mittelalter. Editionen (LIT Verlag) erscheinen:

Die Zisterze Kaisheim und ihre Tochterklöster. Studien zur Organisation und zum Wirtschaften spätmittelalterlicher Frauenklöster mit einer Edition des „Kaisheimer Rechnungsbuches“ (Vita regularis  – Ordnungen und Deutungen religiosen Lebens im Mittelalter. Editionen 5), Berlin [u.a.] 2013.

Curriculum Vitae

Julia Bruch (geb. 1982 in Speyer) studierte von 2002 bis 2008 Geschichte und Germanistik an der Universität Mannheim. Nach Abschluss des Studiums mit einer Magisterarbeit zu frühmittelalterlicher Heiligkeit (Thema  „„Lioba, Thekla und Cynnehilda. Genese weiblicher Heiligkeit im Umfeld des heiligen Bonifatius‘“) arbeitete im WS 2008 und im SS 2010 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Universität Mannheim. Das 2008 begonnene und u.a. von der Gerda-Henkel-Stiftung geförderte Promotionsprojekt widmete sich einem Rechnungsbuch aus klösterlichem Kontext. Nach Forschungsaufenthalten in München, Augsburg und Harburg wurde die Arbeit mit dem Titel „Die Zisterze Kaisheim und ihre Tochterklöster. Studien zur Organisation und zum Wirtschaften spätmittelalterlicher Frauenklöster mit einer Edition des „Kaisheimer Rechnungsbuches“ im August 2011 eingereicht. Im März 2012 erfolgte die Promotion. Von September 2011 bis März 2020 war  Julia Bruch wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Universität zu Köln und ist seit April 2020 Postdoc im DFG-Graduiertenkolleg 2212 „Dynamiken der Konventionalität (400–1550)“ an der Universität zu Köln.