Julia Bruch

Julia_Bruch

Dr. Julia Bruch

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte/Schwerpunkt Spätmittelalter an der Universität zu Köln

julia.bruch@wirtschaftsgeschichte.org

Aktuelles Projekt

Sammeln – Erzählen – Ordnen – Deuten. Städtische Chronisten der bürgerlichen Mittelschicht im späten Mittelalter und früher Neuzeit (Arbeitstitel)

Das städtische Bürgertum des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit brachte eine ganze Reihe chronikalischer Aufzeichnungen hervor, deren Gestalt sehr unspezifisch und schwer zu fassen ist. Hier stehen Familiennachrichten neben biblischen Geschichten, Schilderungen von städtischem Zeitgeschehen neben weltchronistischen Berichten, bürgerliche Selbstzeugnisse neben medizinischer Fachliteratur, Bauernpraktika neben Predigten. Selten lässt sich auf den ersten Blick eine Ordnung oder gar Erzählstruktur erkennen. So wurden diese Werke, deren gattungsspezifische Einordnung schwierig ist und je nach Standpunkt von Tagebuch über Hausbuch bis hin zur Stadtchronik variiert, in der Regel nicht als Ganzes ausgewertet. Sie dienten als Steinbruch – oder wie es Christina Deutsch für die Aufzeichnungen von Burkard Zink treffend auf den Punkt brachte – als „quellenfundierte[n] Allzweckwaffe“[1] für die unterschiedlichsten Fragestellungen.

Anhand ausgewählter Beispiele aus spätmittelalterlich und frühneuzeitlich bedeutenden Städten soll ausgelotet werden, welche Chancen eine umfassende Auswertung dieser Quellen bietet. Es werden Fragen zu Autor und Rezipientengruppe, zur Nachnutzung und Edition sowie zur Konzeption gestellt. Welche Auswahl- und Ordnungskriterien wendete der Autor an? Welche Themen werden abgedeckt? Welche Techniken gebrauchte der Autor? Wie werden Vergangenes und Gegenwärtiges beschrieben? Welches Wissen wird wie und an wen vermittelt?

Die Studie verbindet Aspekte der Stadtgeschichte, Literaturgeschichte und Wissensgeschichte und möchte so die Quellenwerke von möglichst unterschiedlichen Standpunkten aus beleuchten. Zugleich bieten die Beispiele Vergleichsmöglichkeiten zu weiteren europäischen Städten mit ähnlicher historiographischer Produktion.

[1] Deutsch, Christina (2013): Dasselb buech hab ich alles selb geschriben. Die Ordnung der Geschichte(n) in der Augsburger Chronik (1363-1468) des Burk(h)ard Zink, in: Johannes Helmrath et. al. (Hgg.): Historiographie des Humanismus. Literarische Verfahren, soziale Praxis, geschichtliche Räume (=Transformationen der Antike Band 12), Berlin, S. 111–121.

Abgeschlossenes Dissertationsprojekt

„Die Zisterze Kaisheim und ihre Tochterklöster. Studien zur Organisation und zum Wirtschaften spätmittelalterlicher Frauenklöster mit einer Edition des „Kaisheimer Rechnungsbuches“

Ausgangspunkt meiner Studie ist eine Handschrift aus dem 13. und 14. Jahrhundert, entstanden im süddeutschen Zisterzienserkloster Kaisheim (Region Donau-Ries) im Bistum Augsburg. Als Mutterkloster führte Kaisheim Kontrollbesuche in seinen Filiationen durch. Die Ergebnisse dieser Visitationen wurden über ein knappes Jahrhundert hinweg verschriftlicht und sind als Visitationsprotokolle in Form eines Rechnungsbuchs überliefert. Anhand dieser Quelle und den zusätzlich überlieferten Urkunden konnten die materiellen und wirtschaftlichen Grundlagen der visitierten Frauenklöster (Kirchheim im Ries, Niederschönenfeld, Oberschönenfeld, Pielenhofen, Seligenthal, Zimmern im Ries) herausgearbeitet werden. Neben wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Fragen wurden institutions- und alltagsgeschichtliche sowie genderspezifische Probleme behandelt. Durch eine Edition wird das Kaisheimer Rechnungsbuch für anknüpfende Studien zur Verfügung gestellt. Die vorgelegte Detailstudie schärft das Bild von Zisterzienserinnenklöstern, liefert Vergleichsmaterial für weitere Studien zu weiblichen Zisterzen und lädt so zu komparatistischen Arbeiten ein. Eine Zusammenschau der bisher betrachteten Nonnenklöster des Zisterzienserordens ist ein Desiderat der Forschung, das auf Basis nicht zuletzt der vorliegenden Arbeit hoffentlich bald ausgeräumt wird.

Meine Dissertation ist 2013 in der Reihe Vita regularis – Ordnungen und Deutungen religiosen Lebens im Mittelalter. Editionen (LIT Verlag) erscheinen:

Die Zisterze Kaisheim und ihre Tochterklöster. Studien zur Organisation und zum Wirtschaften spätmittelalterlicher Frauenklöster mit einer Edition des „Kaisheimer Rechnungsbuches“ (Vita regularis  – Ordnungen und Deutungen religiosen Lebens im Mittelalter. Editionen 5), Berlin [u.a.] 2013.

Curriculum Vitae

Julia Bruch (geb. 1982 in Speyer) studierte von 2002 bis 2008 Geschichte und Germanistik an der Universität Mannheim. Nach Abschluss des Studiums mit einer Magisterarbeit zu frühmittelalterlicher Heiligkeit (Thema  „„Lioba, Thekla und Cynnehilda. Genese weiblicher Heiligkeit im Umfeld des heiligen Bonifatius‘“) arbeitete im WS 2008 und im SS 2010 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Universität Mannheim. Das 2008 begonnene und u.a. von der Gerda-Henkel-Stiftung geförderte Promotionsprojekt widmete sich einem Rechnungsbuch aus klösterlichem Kontext. Nach Forschungsaufenthalten in München, Augsburg und Harburg wurde die Arbeit mit dem Titel „Die Zisterze Kaisheim und ihre Tochterklöster. Studien zur Organisation und zum Wirtschaften spätmittelalterlicher Frauenklöster mit einer Edition des „Kaisheimer Rechnungsbuches“ im August 2011 eingereicht. Im März 2012 erfolgte die Promotion. Seit September 2011 ist Julia Bruch wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte der Universität zu Köln.